23.05.2012 12:24

ATV Technologies

Was die Götter verbinden

Löten ist ein sehr altes thermisches Werkverfahren. Alt und gut? Oder obsolet und nicht mehr zeitgemäß? Wo liegen die Hauptanwendungsfelder in der Industrie und wohin gehen die Trends?

Tutanchamun
© ARCHIV

Lötkunst aus antiker Vorzeit: Die Totenmaske des Pharaos Tutanchamun (etwa 1300 v. Chr.).

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Bereits 5.000 v. Chr. war Löten eine bekannte Technik, das ist nachgewiesen. Vermutet werden die Anfänge aber noch früher. Damals wurden Gold, Silber oder Kupfer zu Kultgegenständen verarbeitet. Und zu Schmuck. Abbildungen in altägyptischen Gräbern zeigen Goldarbeiter, die mit Blasrohrtechnik und einem Holzkohlefeuer werkten. Beispiele für die Lötkunst aus antiker Vorzeit sind etwa die imposante Totenmaske des Pharao Tutanchamun oder seine berühmten Prunksärge.

In späteren Epochen verfeinerte man die Technik und verwendete wegen der niedrigeren Schmelztemperaturen und der besseren Bearbeitbarkeit Lote aus genau definierten Metalllegierungen. Lote spielen auch in heutiger Zeit beim industriellen Löten eine bedeutende Rolle. Bei Wärmetauschern in der Kälte- und Klimatechnik werden etwa Hartlote und Kupfer-/Phosphorlote eingesetzt. Die Klimatechnik stellt sich überhaupt als ein Bereich dar, wo Löten als Werkverfahren nicht wegzudenken ist.

Automotive setzt aufs Löten.

Auch der Automobilbereich spielt eine immer bedeutendere Rolle, als Beispiele seien hier etwa Katalysatoren genannt. Bei diesen liegen zentral Rohre, die mit Nickel-Hartlot-Paste im Schutzgas-Durchlaufofen gelötet werden. Eine weitere Anwendung im Automobilbereich sind die Einspritzrohre, die man unter dem Begriff "Rails" kennt. Es gibt Hoch- und Niederdruckrails– diese werden erst geheftet und dann, einfach um die Reproduzierbarkeit schneller zu gestalten, automatisch pastiert. Auch diese Teile gehen danach in den Schutzgas-Durchlaufofen. Kupfer- und Nickel-Lot-Pasten sind die zwei wichtigsten Lötmittel in der Automotivebranche, genauer im Car/Engine-Bereich.

Im Car/Body-Bereich, also etwa an der Heckklappe eines Autos, wird via MIG Verfahren (Metall-Inertgas) gelötet. Es gibt da aber noch einen Weichlotbereich im Umfeld von Karosserieausbesserungen – hier geht die Tendenz weg vom Blei, obwohl sich die Modellierbarkeit der bleihältigen Lötpaste bei weitem besser darstellt als die der jetzigen ohne Blei. Das setzt sich zwar noch nicht so durch, wie man das gerne hätte, aber der Trend weg vom Blei ist vorgegeben.

Hauptanwendungsgebiete.

Eine weitere Domäne des Lötens ist der Werkzeugbaubereich oder das "Tooling". Bei Bohrern oder Sägeblättern werden die Hartmetallteile aufgelötet. Auch in der Solarindustrie wird gelötet, und zwar die so genannten Mäander. Diese werden mittlerweile aber mehr und mehr geklammert oder gepresst – hier geht der Trend momentan weg vom Löten.

Felix Eiler, Techniker bei ATV Technologies, sieht als weiteres Hauptanwendungsgebiet das Löten von Schaltungsaufbauten auf  Leiterplatten: "ESP-Sensoren (eletronisches Stabilitätsprogramm) sind beispielsweise so ein Klassiker. Das ist ein Chip mit der dazugehörigen Elektronik. Das Ganze wird mit einem Stecker versehen und kommt in ein Plastikgehäuse, das dann der Autohersteller einbaut.“

Ähnliches gilt praktisch für alle so genannten MEMS (microelectro-mechanical systems), also etwa Bewegungssensoren und die ganze Mikromechanik, die in verschiedenste Gehäuseeingelötet und verkapselt wird. Felix Eiler: "Damit beugt man beispielsweise Umwelteinflüsse vor oder man setzt das Gehäuse unter Vakuum, um Luftreibung zu vermeiden und damit möglicherweise eine Verfälschung des Messergebnisses."

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