30.04.2012 10:43

Austrian Standards

Wer nicht normt wird genormt

Das Thema "Normung" und ihr Nutzen stand bei einer Veranstaltung von "Austrian Standards" im Mittelpunkt. Für manche Unternehmen gehört das Schaffen von Standards zur Unternehmensstrategie.

Normung Diskussion Austrian Standards
© Peter Tuma/Austrian Standards

v.l.n.r.: Walter Barfuß, Präsident Austrian Standards; Harald Schinnerl, Bundesinnungsmeister Metalltechnik; Werner Fischer, Siemens AG Österreich; Peter Morwitzer, NÖ Landesbaudirektor; Manfred Matzka, Leiter der Sektion I (Präsidium) im Bundeskanzleramt; Elisabeth Stampfl-Blaha, Vizedirektorin Austrian Standards

 

Für große Unternehmen, wie Siemens AG, ist Normung Teil der Unternehmensstrategie. Denn die Konkurrenz, die künftig beispielsweise Standards für Produkte bestimmen könnte, kommt vorwiegend aus Asien. Werner Fischer, der bei Siemens die Zentralstelle für „Standardization & Regaulation Management“ leitet, ist der Grund für die Mitarbeit in der Normung klar: „Wenn wir nicht normen, dann werden wir genormt“, verweist er auf die Wirtschaftsmacht China, die sich immer stärker im weltweiten Normungsgeschehen engagiert. Die österreichische Siemens AG bringt ihre „getesteten Erfahrungen“ in den Normungsgremien ein, um die Marktregeln frühzeitig mitgestalten zu können.

Normen vereinfachen die Verwaltung.

Normen wirken nicht nur auf Märkten, sondern auch zwischen Staat und Bürger. Deshalb weiß Sektionschef Manfred Matzka, Leiter der Sektion I „Präsidium“ im Bundeskanzleramt, gutes Regelwerk zu schätzen. Normen würden die Gesetzgebung enorm entlasten, die Verwaltung vereinfachen. Auch im Hinblick auf EU-Richtlinien, die nur mit Hilfe von Normen in den Mitgliedsländern umgesetzt werden könnten. „Mit Normen erreicht man einen Grad an Detailliertheit, der sich nicht für Gesetze eignet.“ Normen verhinderten, dass man im Nachhinein aufwändige Verfahren mit Sachverständigen und langen Instanzenwegen in Kauf nehmen müsse. Verwaltungsexperte Matzka führt als Beispiel die Einführung neuer Technologien an: „Gäbe es nicht klare Standards bei Schnittstellen im IT-Bereich, wäre es heute beispielsweise unmöglich, eine App für Handys zur Verfügung zu stellen.“


Speziell für die Länder ergänzen Normen die Rechtsbestimmungen sinnvoll, betont Peter Morwitzer, Landesbaudirektor von Niederösterreich. „Der Gesetzgeber legt die Schutzbestimmungen fest, und die Normen sagen uns, wie man das in der Praxis macht“, verweist der Experte auf die Wichtigkeit von Normen im Bauwesen. Er plädiert dabei für „Bodenhaftung“ bei der Gestaltung dieser Normen und relativiert das Schlagwort von der „Normenflut“: Normen sollen nicht überfrachtet werden, müssen aber dennoch der Komplexität der Vorhaben Rechnung tragen.

Normen als Chance für KMUs.

90 % der österreichischen Unternehmen sind Klein- und Mittelbetriebe (KMUs). Es heiße immer, sie hätten keine Chance gegenüber den Großen und keinen Zugang zur Normung. „Gemeinsam mit engagierten Interessensvertretern können KMUs aber sehr viel erreichen“, erklärt Harald Schinnerl, Bundesinnungsmeister Metalltechnik. „Normen sind wichtig, wenn man Qualität anbieten will. Denn sie regeln die qualitative Vergleichbarkeit der Produkte und stellen eine wesentliche Sicherheit für die Kunden und die Produzenten im Wirtschaftsleben dar.“
Die Metallbranche sei klein strukturiert und viele KMUs hätten Mühe, sich zurechtzufinden, welche Normen anzuwenden sind. So habe man gemeinsam mit Austrian Standards die Branchenlösung „MeinNormenPaket“ entwickelt, mit der die wichtigsten Normen für Metallbetriebe einfach und kostengünstig zu beziehen sind. „Für den Preis einer Arbeitsstunde pro Jahr“, wie Schinnerl ergänzt.

Orientierung für alle.

"Wenn es um Normen geht, dann gibt es häufig viele Missverständnisse“, sagt Walter Barfuß, Präsident von Austrian Standards, dem Kompetenzzentrum für Normen in Wien. „Fachleute und Betroffene selbst entwickeln diese Normen, die sie brauchen und die unser Zusammenleben erleichtern“, räumt Barfuß mit dem Vorurteil auf, Behörden würden die Normen vorgeben. Austrian Standards acht als Partner darauf, dass die Spielregeln eingehalten werden; diese seien Neutralität, Konsens, Transparenz und Kohärenz. Insgesamt gibt es in Österreich 187 Fachgremien und Komitees, in denen sich rund 6.000 Experten aus unterschiedlichen Berufen und Branchen einbringen.

Sprungbrett zum Weltmarkt.

In einem globalisierten Markt und nicht zuletzt aufgrund der Dominanz der Wirtschaftsmacht China ist es wichtig, dass sich Europa und seine Staaten in der internationalen Normung behaupten. Aufgrund des intensiven Engagements – österreichische Fachleute arbeiten in 78 Prozent der europäischen (CEN) und 89 Prozent der internationalen (ISO) Komitees mit – ist Österreichs Einfluss auf den europäischen Markt deutlich spürbar. Eine Rolle, die Vizedirektorin Elisabeth Stampfl-Blaha – seit Jahresanfang auch Vizepräsidentin der Internationalen Normungsorganisation, ISO, – gerne weiter gestärkt sehen möchte.

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