10.05.2010 14:16

Beschaffung

Erfolgsfaktor Flexibilität

Während viele Unternehmen ihre Produktionsprozesse weitgehend im Griff haben, gibt es in der Beschaffung noch viel Optimierungspotential. FACTORY sprach mit Kurt Zaiser, Logistikprofessor am FH OÖ Campus Steyr, über die wichtigsten Schritte zum Erfolg.

Kurt Zaiser
© FH Steyr

Kurt Zaiser, Logistikprofessor, FH OÖ, Campus Steyr: „In unserer Lehr- und Forschungsarbeit an der FH OÖ Campus Steyr sehen wir, dass die Größe des Unternehmens kein Maßstab für die Qualität der Beschaffung ist.“

 

In zahlreichen Unternehmen regierte im vergangenen Jahr der Rotstift. Vom Personal bis zu den Marketingausgaben wurde alles gestrichen, was auch nur im entferntesten entbehrlich aussah. Die gewinnbringenden Auswirkungen auf die Bilanz blieben vielerorts trotzdem überschaubar. Dabei sind sich Experten einig, dass zwar sehr genau darauf geschaut wird, wo gespart werden kann, dass aber so manche Potentiale zur Kostensenkung noch nicht ausreichend genützt werden. Kurz Zaiser, Professor für Logistik an der FH Oberösterreich, Campus Steyr, erläutert im Gespräch mit FACTORY welche Verbesserungsmöglichkeiten sich in der Beschaffung bieten. „Viele Unternehmen haben schon in der Vergangenheit sehr strukturiert gearbeitet. Vor allem gab es große Bemühungen, die Produktionsprozesse richtig zu gestalten“, weiß Zaiser. „In der Logistik und im Beschaffungsmanagement ist aber noch viel mehr drin. Da erreichen viele gerade einmal den Level eines bemühten Amateurs und sind damit nicht mehr zeitgemäß.“

Kostensenken, mehr als sparen.

Jede Beschaffungsstrategie besteht aus einem Bündel von Maßnahmen. „Jede davon hat Vor- und Nachteile. „Professionell ist es, die jeweils richtige anzuwenden“, sagt Zaiser. „In unseren Lehr- und Forschungsaktivitäten  am FH OÖ Campus Steyr sehen wir, dass die Größe des Unternehmens kein Maßstab für die Qualität der Beschaffung ist. Es gibt viele KMU, die in diesem Bereich hervorragend arbeiten und Großunternehmen, die auf diesem Gebiet nicht besonders gut sind – und umgekehrt.“

Die wichtigsten Punkte, die es zu definieren gilt, lauten: Versorgungssicherheit, möglichst rasche Anpassung der Lieferantenpreise an jene auf dem Absatzmarkt, Bestandssenkung bei Rückgängen auf dem Absatzmarkt und: Welche Initiativen sind bei Kostensenkungsprogrammen zu setzen, die, so Kurt Zaiser, oft Einsparungen von bis zu 30 Prozent bringen können: „Zu einem besonders wichtigen Erfolgsfaktor wurde in der letzten Zeit die Flexibilität des jeweiligen Lieferanten. Für viele Unternehmen ist es nicht mehr möglich, langfristig zu planen. Gefragt ist daher Flexibilität bei Lieferterminen, Liefermengen und auch in der Ausführung.“ Dies kann durchaus bedeuten, dass sich in der bestehenden Bewertung der Lieferanten die Prioritäten – und damit die Lieferanten selbst – ändern.

Richtige Verträge.

Die Vergabe von Produktionsaufgaben an andere Unternehmen spielt ebenfalls eine große Rolle. „Wenn ich Leistungen outsource sind Anpassungen im Einkauf noch viel wichtiger“, erklärt Zaiser. „Verwende ich als Unternehmen  65% meines Umsatzes für die Bezahlung von Lieferantenrechnungen ,sind die Auswirkungen der Kosten weit größer, als zu früheren Zeiten, als dieser Prozentsatz – sagen wir – bei 40 Prozent lag.“

Auf besonders volatilen Märkten kommt es darüber hinaus auf die richtigen Rahmenverträge an. Zaiser: „Hier wird noch viel zu wenig getan. Vor allem kleinere Unternehmen wagen sich an die Thematik nicht heran. Bei manchen ist es vielleicht auch eine gewisse Bequemlichkeit, anderen fehlt das Selbstbewusstsein. Dabei kann man durch geschickt ausgehandelte Verträge auch als KMU deutliche Einsparungen erzielen.“

Kein Erfolgsrezept.

Zaiser warnt davor, in den Glauben zu verfallen, es gebe quasi ein Erfolgsrezept, das auf alle Unternehmen passt. „Natürlich ist es grundsätzlich so, dass im Bestandsmanagement die richtige Gestaltung der Abnehmerbeziehungen ein wichtiger Punkt ist“, sagt der Logistiker. Im Einzelnen kommt es aber darauf an, welche Teile in einem Unternehmen in welchen Mengen benötigt werden. Es sei daher wichtig, zu identifizieren, wie hoch die Anzahl der strategischen Teile, der so genannten Hebelteile, der Engpassteile und der unkritischen Teile sei. „Für jeden dieser Punkte kann ich eine eigene Beschaffungsstrategie ableiten“, berichtet Zaiser aus der Praxis. „Benötige ich hochwertige Teile regelmäßig, kannJust-in-Time-Lieferung der richtige Ansatz sein. Geringwertige Teile mit schwankendem Bedarf brauch ich aber nicht Just-in-Time. Dafür kann ich einen Meldebestand definieren. Erst wenn dieser erreicht ist, kaufe ich die Teile zu.“ Es ist also danach zu trachten, die situativ geeignete Bestandspolitik festzulegen.

Logistik-Tag.

Im Rahmen des Österreichischen Logistik-Tages (10. Juni) im Design Center Linz, wird Kurt Zaiser zum Thema Kostenoptimierung eine Vortragsserie moderieren. „Der Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern selbst ist von sehr großem Nutzen“, ist der Logistik-Profi überzeugt. „Die Teilnehmer sehen, auch andere Unternehmen schlagen sich mit ähnlichen Problemen herum. In den Best-Practice-Veranstaltungen des VNL findet man immer wieder Ideen, die dazu führen, den Erfolg des eigenen Unternehmens zu verbessern.“ 

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