17.06.2011 09:37

CeMAT

Misston im Messeerfolg

In einer „Aktion scharf“ fuhr das Gewerbeaufsichtsamt Hannover im Rahmen der CeMAT schwer Geschützte gegen eine Reihe von Herstellern von Flurförderfahrzeugen auf. Dem Erfolg der CeMAT tat die Aktion aber keinen Abbruch.

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Flagge zeigen war anlässlich der CeMAT in Hannover angesagt.

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Andreas Gruchow, Deutsche Messe AG: "Die Besucher kamen mit konkreten Investitionsabsichten nach Hannover sowie größeren Projekten im Gepäck.“

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Peter Günther, GF Fachverbands Fördertechnik und Logistiksysteme: "Es wird offensichtlich, dass zwischen Regelungswille und Vollzugsfähigkeit beim Gesetzgeber ein krasses Ungleichgewicht existiert.“

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Märkte und Messen waren und sind seit je her wichtige Umschlagplätze für Waren, standen aber auch schon immer im Visier von zwielichtigen Gestalten, die gutgläubigen Menschen mit ihren Betrügereien das Geld aus der Tasche zogen. Der schöne Begriff der Rosstäuscherei, ursprünglich eine Bezeichnung für den Handel mit Pferden, später dann „auf viele Arten des Betruges durch Schönfärberei, unrepräsentative Präsentation, Kaschieren von Makeln oder gezieltes Weglassen von Informationen metaphorisch angewendet“ (Quelle: Wikipedia), hat auch heute noch seine Gültigkeit, wie eine gezielte Aktion des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer) und des Hannoveraner Gewerbeaufsichtsamtes anlässlich der CeMAT zeigte.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!

Dieses Lenin zugeschriebene Sprichwort (Richtig übersetzt: Vertraue, aber kontrolliere) nahmen sich die Vertreter des Fachverbandes Fördertechnik und Logistiksysteme des VDMA wohl anlässlich der CeMAT in Hannover zum Wahlspruch, als sie daran gingen, die ausgestellten Flurförderfahrzeuge auf deren Konformität mit den europäischen Richtlinien zu überprüfen. Fazit der Prüfung: Über 50 Exponate aus dem Bereich Flurförderfahrzeuge erfüllten die Anforderungen bezüglich Maschinensicherheit, Abgasemission und Lärmemission nicht. Die gesammelten Hinweise wurden dem Gewerbeaufsichtsamt Hannover zur weiteren Verfolgung weitergeleitet – und dort wurde auch nicht lange gefackelt. An den folgenden Messetagen waren die Beamten dann als Vollzugsbehörde der Marktüberwachung in den Messehallen unterwegs und bestätigten die vom VDMA gefundenen Verstöße.

Illegale Ware.

Die Anzahl der nicht konformen Produkte war übrigens so groß, dass eine vollständige Sichtung beziehungsweise ein flächendeckendes Vorgehen durch die Behörde gar nicht möglich war. Einige der betroffenen Hersteller wurden mit den Verstößen an Ihren Produkten konfrontiert und haben teilweise nun die Bringschuld für weitergehende Information um Sanktionen abzuwenden.

An einer Reihe weiterer Exponate mussten direkt verplombte Schilder angebracht werden. Damit wurde auf die Nicht-Konformität der Produkte hingewiesen. Illegal ist nämlich nicht ur der Verkauf derartiger Geräte in Europa. Auch deren Inbetriebnahme kann für den Käufer fatale Folgen nach sich ziehen, da im Falle von Defekten oder gar Unfällen Gewährleistungsansprüche nicht durchzusetzen sind.

Sascha Schmel von der Fachabteilung Flurförderzeuge im VDMA äußerte sich trotz der erfolgreichen Aktion besorgt: „Sowohl Qualität als auch Quantität der Verstöße sind  besorgniserregend. Nicht überrascht hat uns indes die Tatsache, dass zumindest nach unserer Erkenntnis die überwältigende Mehrzahl der Verstöße an Importprodukten von Herstellern, die erst kurz im europäischen Markt aktiv sind oder dies vorhaben, gefunden wurden. Da auch den nicht-europäischen Herstellern alle Richtlinien und Normen zur Erfüllung der  gesetzlichen Anforderungen zur Verfügung stehen, lassen die Verstöße nur den kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg beziehungsweise den Markteintritt unter billigender Inkaufnahme von Verstößen gegen die geltenden Vorschriften und Normen als Motiv in Frage kommen. Dass es auch anders geht, zeigen schließlich die etablierten Hersteller, die ebenfalls vollständig oder teilweise auf außereuropäische Entwicklung und Fertigung zurückgreifen.“

Marktüberwachung stärken.

So erfolgreich die Aktion des VDMA und des Gewerbeaufsichtsamtes auch war. Freude kommt bei den Verantwortlichen des Verbandes und der Messe deswegen och lange keine auf. Dementsprechend gespalten ist daher auch das Fazit des Geschäftsführers des Fachverbands Fördertechnik und Logistiksysteme, Peter Günther. „Einerseits darf man den Erfolg, überhaupt Marktüberwachung auf der Messe gehabt zu haben, nicht kleinreden. Die beteiligte Behörde hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten sicherlich einiges erreicht.

Gemessen am Anspruch des Gesetzgebers und vor allem auch an der Zahl der offensichtlichen Verstöße hätte man allerdings einen vielfachen personellen Einsatz erwarten müssen“, zeigt sich der Geschäftsführer des Fachverbandes auch nach der messe kritisch. „An dieser Stelle muss auch betont werden, dass die Aktion überhaupt nur auf Initiative des VDMA durchgeführt wurde und sich auf den Bereich Flurförderzeuge beschränkte. Es wird offensichtlich, dass zwischen Regelungswille und Vollzugsfähigkeit beim Gesetzgeber ein krasses Ungleichgewicht existiert. Der VDMA wird weiterhin in Kontakt mit den zuständigen Behörden bleiben und notwendige Unterstützung anbieten sowie auf eine Ahndung bekannter Verstöße drängen. Die Politik ihrerseits muss dringend umdenken und die Kapazitäten bei der Marktüberwachung zukünftig aufbauen anstelle abbauen.“

Erfolgreiche Bilanz.

Trotz dieser Misstöne konnten die Messemacher in Hannover eine äußerst erfolgreiche Bilanz ziehen. So wurden laut Andreas Gruchow, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG, in Hannover mehr als 1.000 Weltneuheiten gezeigt. „Mit dem Rekordzuspruch aus dem Ausland hat die CeMAT in Hannover ihre Position als wichtigste internationale Geschäftsplattform der Intralogistik eindrucksvoll untermauert“, sagte Gruchow.

Die Intralogistik sei ein entscheidendes Bindeglied in der Kette wachsender globaler Warenströme. „Ohne Intralogistik wären die rasante Dynamik der Globalisierung und damit unsere Welt von heute, so wie wir sie kennen und schätzen, nicht möglich“, meinte Gruchow weiter.

Zur CeMAT 2011 kamen 1.084 Unternehmen aus 38 Ländern nach Hannover, und davon mit 548 die Hälfte aus dem Ausland. Gruchow: „Damit hat die CeMAT 2011 das Ergebnis der Vorveranstaltung, die im Mai 2008 vor der tiefgreifenden Wirtschaftskrise ausgerichtet wurde, noch einmal übertroffen.“

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