03.07.2012 10:15
FMMI
Kollektive Unruhe
Der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie will erstmals separate kollektivvertragliche Verhandlungen führen.
Als durchschaubares Spiel. Als solches wertet die Gewerkschaft PRO-GE den Vorstoß des Fachverbands der Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI). Ende April gab der Verband seinen Verhandlungspartnern auf der Arbeitnehmerseite, PRO-GE und GPA, bekannt, in Zukunft „eigenständige und direkte“ kollektivvertragliche Verhandlungen führen zu wollen.
Tobende Gewerkschaften
Begründet wurde das eher lapidar: "Geänderte Rahmenbedingungen“ und die "spezifischen Bedürfnisse der Branche“ würden diesen Schritt "notwendig machen“, verlautbarte Christian Knill, stellvertretender Obmann des FMMI. Die Gewerkschaften tobten – auch weil der Fachverband inhaltliche Verhandlungen "noch vor dem Sommer“ vorschlug.
PROGE-Bundesvorsitzender Rainer Wimmer wertet das "als eindeutige Strategie, die Arbeitnehmer auseinanderzudividieren und zu schwächen“. In der Herbstlohnrunde 2011 wurde für heuer eine durchschnittliche Lohnerhöhung von 4,2 Prozent vereinbart. Die Metallindustrie kostet der Abschluss 300 Millionen Euro – Industrievertreter waren nachhaltig verstimmt. „Nun sollen die Beschäftigten dafür die Zeche zahlen“, glaubt Wimmer. Die Gewerkschaft werde das aber "nicht kampflos hinnehmen“.
Gemeinsame Verhandlungsführung.
Bisher gab es bei den Herbstlohnrunden eine Konstante: Neben Vertretern der Maschinen- und Metallwarenindustrie saßen auch jene der Bereiche Bergwerke und Stahl, Fahrzeugindustrie, Gießerei-Industrie, Nichteisen-Metallindustrie sowie Gas- und Wärmeversorgungsunternehmen am Verhandlungstisch. Es geht um die Lohn- und Gehaltsabschlüsse von rund 165.000 Arbeitern und Angestellten – größter Verband: der FMMI mit rund 120.000 Beschäftigten.
Mit der Ankündigung für die heurige Lohnrunde, die gemeinsame Verhandlungsführung mit den anderen Arbeitgeberverbänden aufzukündigen, öffnete der FMMI ein Pulverfass. "Unsere hochspezialisierte und personalintensive Branche veränderte sich entscheidend“, führt zwar Christian Knill, stellvertretender Obmann des FMMI, ins Treffen. "Die anderen Sparten haben ganz andere Herausforderungen“, so Knill. Während Stahl- oder Großmaschinenbauer darben, würden andere "Metaller“ schon wieder eine „Hochblüte erleben“, spitzt ein Insider zu.
Gewerkschaft kämpferisch.
Ein Argument, dem die Gewerkschaften nur wenig abgewinnen können. Bis Ende Juni sind nun Betriebsratskonferenzen in ganz Österreich angesetzt. "Betriebsräte in der gesamten Metallindustrie seien „empört über die Vorgehensweise des Fachverbands“, heißt es bei der Gewerkschaft – und sie rechnet mit Unterstützung. Wie solidarisch sich Betriebsräte und Arbeitnehmer aller Sparten zeigen, ist aber fraglich. Die voestalpine-Betriebsräte sind ein enormer Hebel – das weiß man bei den Arbeitgebervertretern nur zu gut.
"Sie schlagen bei den Abschlüssen Radau – und halten so die gesamte Gruppe in Geiselhaft“, heißt es auch im Verbandsumfeld. Deshalb würde versucht, die Verhandlungsgemeinschaft in kleinere Gruppen "aufzusplittern“, sieht man bei der Gewerkschaft PRO-GE Unheil heranschreiten. "Kollektivvertrag und Sozialpartnerschaft stehen außer Frage“, heißt es beim FMMI. Für die Gewerkschaft nur ein schwaches Argument. "Jetzt sollen die Metallerverhandlungen wie vor über 40 Jahren ablaufen“, kritisiert PRO-GE-Bundesvorsitzender Rainer Wimmer. Die – inoffizielle – Replik des FMMI darauf: "Eine gewisse Elastizität bei den Lohnsteigerungen ist zu akzeptieren.“
Daniel Pohselt











