20.08.2012 09:02

Motorenverordnung

Flucht ins Grüne

Bis 2015 will die EU-Kommission die Schlupflöcher der IE 640/2009 genannten Ökodesign-Richtlinie für Elektroantriebe stopfen. Mehrkosten sind vorprogrammiert.

Ökodesign
© ARCHIV

Die EU-Kommission die Schlupflöcher der IE 640/2009 genannten Ökodesign-Richtlinie für Elektroantriebe stopfen.

Christian Grabner
© Helene Waldner

"Auf der Normungsseite ist das Paket fast geschnürt,“ so Christian Grabner, ATB Group, über die Motorenverordnung.

 

Übergroßes Staunen. Das ist Gerulf Molls Reaktion. Die EU-Kommission ist drauf und dran, die Verordnung für den umweltgerechten Einsatz von Elektromotoren zu verschärfen. Der Zeitplan dafür? Äußerst straff. Denn nur langsam wird die Industrie mit der Verordnung 640/2009, dieseit 16. Juni des Vorjahrs die Inverkehrbringung von Motoren des Effizienzniveaus IE2 in der EU vorschreibt, warm.

Nicht wenige Maschinen- und Anlagenbauer flüchten sich in den Graubereich der Verordnung. Etwa zu günstigeren Antrieben für Umgebungstemperaturen über 40 Grad, "die von der Verordnung ausgenommen sind“, weiß Moll. Ein Schlupfloch, das die Kommission nun stopfen will. Und deshalb das Unverständnis bei Gerulf Moll. Auch asynchrone Servomotoren bis zehn Kilowatt – typische Positionierantriebe bei Werkzeugmaschinen– seien "ein Kandidat für eine schärfere EU-Reglementierung“, fand er heraus. Er fürchtet, dass Antriebe im Aussetzbetrieb – also Motoren mit wenigen Betriebsstunden – erstmals nicht ausgenommen seien. "Das wäre töricht.“

Noch Potential.

Seit gut einem Jahr dürfen in Europa nur mehr energieeffizientere, im Einkauf bis zu 30 Prozent teurere IE2-Antriebe in den Markt gebracht werden. Rund 60 Prozent aller Antriebe – so schätzt die Branche – deckt die Motorenverordnung von 2009 ab. Jetzt will die EU-Kommission Hochwirkungsgrade auf "nahezu alle Antriebsarten erweitern“, heißt es in der Branche. Dazu landeten bei CENELEC, zuständig für die EU-Normung im Bereich Elektrotechnik, im Vorjahr zwei Mandate auf dem Tisch.

Durch elektronische Drehzahlregelung und Energiesparmotoren könnte Europa 135 Millionen Kilowattstunden pro Jahr einsparen, lauteten die Hochrechnungen in Brüssel. Die gültige Norm EN 60034-30 (2008), die der Industrie 2011 als Grundlage für die Einführung der IE2-Antriebe diente, definierte dafür Wirkungsgradklassen für Niederspannungs-Drehstrom-Asynchronmotoren von 750 Watt bis 375 Kilowatt. Ein Leistungsbereich, "in dem der Gesetzgeber das größte Potential sah“, so Christian Grabner, Entwicklungsleiter in der ATB Group.

Die nächste Normengeneration IEC6003430 sieht in der zweiten Fassung "eine Erweiterung des Anwendungsbereichs auf Netzantriebe bis tausend Kilowatt“ vor. Für die Industrie heißt das: Die Norm bahnt sich ihren Weg "in größere Anlagenprojekte“, erklärt Grabner.

Produktanpassungen.

Die überarbeitete Norm soll – als Vorläufer einer möglichen EU-weiten Verordnung–den Leistungsbereich auch nach unten "aufmachen“, weiß ein Antriebsspezialist. Bis hinunter auf 120 Watt. Betriebe müssten im Kommissionierlager dann "bald Hochwirkungsgradantriebe einsetzen“,schätzt Claus Wieder, Produktmanager Standardantriebe beim Motorenbauer SEW-Eurodrive. Die Ergebnisse der Normungsarbeiten fließen in zwei – soeben gestartete – EU-Lose (30, 31) zur Potentialerhebungein.

Ergebnisse könnten dort "schon 2014 vorliegen“, glaubt ein Antriebsexperte. Auf der Normungsseite herrsche über die wichtigen Kapitel "weitgehend Einigkeit“, bestätigt Otto Egger, Produktmanager für integrierte Antriebe bei der ATB Group. Es soll jetzt bald präzisere Definitionen "für die Betriebsart und den Einsatz von Bremsmotoren geben“, sagt er. Noch umstritten: Die Ausweitung der Norm auf Hochspannungsmotoren bis 6000 Volt. In dem Punkt "hagelte es Kritik“, weiß ein Antriebsspezialist.

leaderboard,skyscraper,rectangle_300_250,banner_234,banner_468,widget_200_100,widget_200_200
group=2004,service_id=2