16.05.2011 11:07
Thema des Monats
Aus weniger mehr machen
Der wirtschaftliche Druck der letzten Jahre ließ die Industrie verstärkt nach Sparpotentialen fahnden – gefunden wurden sie beim Energieverbrauch. Völlig brach liegt hierzulande allerdings noch das Thema „Materialeffizienz“. Beim deutschen Nachbarn ist man schon ein gutes Stück weiter.
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Im Zuge der Diskussion um steigende Energie- und Rohstoffpreise hat sich zuerst der Energiespargedanke durchgesetzt. Fraglos ein wichtiger Aspekt. Strom, Öl und Gas werden laufend teurer – und vife Manager wissen, dass man mit Kostenreduktionen auf diesem Gebiet erkleckliche Summen einsparen und damit die gewinne des Unternehmens erhöhen kann.
Was (zumindest in Österreich) aber bei weitem noch nicht angekommen scheint, ist der Gedanke der „Materialeffizienz“. Dabei hat man errechnet, dass die Materialkosten eines Betriebes im Durchschnitt bei stattlichen 45 Prozent liegen, während die Energiekosten rund 4 Prozent ausmachen. Die Personalkosten hat man erfolgreich auf 17,8% (Stand 2010) gedrückt.
Die „Deutsche Materialeffizienzagentur“, kurz demea genannt, entstanden auf Initiative des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, hilft seit einigen Jahren
sparwilligen Unternehmen mit Beratung und Schulung. Jedes Jahr wird außerdem ein Preis für die besten Sparideen ausgeschrieben.
Was demea bezweckt ist rasch umrissen: Das öffentliche Bewusstsein über die Bedeutung der Materialeffizienz schärfen und Informationen darüber zur Verfügung stellen und
Unternehmen dazu motivieren, Materialeffizenzpotentiale zu erschließen.
Was versteht man unter Materialeffizienz?
Unter Materialeffizienz ist vereinfacht das Verhältnis der Materialmenge in den erzeugten Produkten zu der für ihre Herstellung eingesetzten Materialmenge zu verstehen. Derartige Sparmaßnahmen können sich einerseits in der Reduktion des Materialeinsatzes ausdrücken, wie sie etwa auch durch eine Verringerung des Ausschusses erzielbar ist. Die Reduzierung von Verschnitt, der verringerte Einsatz von Hilfsstoffen, besonders aber auch die Optimierung der Produktkonstruktion sind wesentliche Themen.
Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, sind Einsparungen beim Material ein guter Ansatzpunkt. Wie viel Nachholbedarf hier besteht zeigt eine Berechnung der demea: Während die Arbeitsproduktivität seit 1960 um den Faktor 3,5 gesteigert werden konnte, blieb die Entwicklung der Materialproduktivität mit dem Faktor 2 weit zurück. Die gute Nachricht zum Abschluss der Berechnung: Bis zum Jahr 2015 wären Steigerungen der Materialeffizienz von bis zu 20 Prozent realisierbar.
Nabelschau mit Positiveffekt.
Eine Reihe deutscher Unternehmen, die sich dem Thema Materialeffizienz intensiv gewidmet haben, berichten über eine Vielzahl weiterer positiver Effekte. So lässt sich anhand der gesammelten Daten feststellen, dass mit der Senkung der Materialkosten immer auch eine Senkung weiterer Kosten, vor allem bei den Energie- und den Entsorgungskosten, einhergeht. Die Einsparungen liegen daher oft deutlich über den ursprünglich angenommenen Potentialen.
Eine von der demea durchgeführte Verifizierung von 663 Potenzialanalysen zeigt, dass das durchschnittliche Materialeinsparpotential bei gut 218.000 Euro pro Jahr und Unternehmen liegt. Bezogen auf den Umsatz der Unternehmen belaufen sich die Einsparmöglichkeiten auf durchschnittlich 2,4 %-Punkte.
Bedenkt man, dass alleine in Deutschland jährlich Materialien im Wert von 500 Milliarden Euro verarbeitet werden, lässt sich leicht nachrechnen, dass die ermittelten Einsparungen bei bis zu 100 Milliarden Euro liegen.
demea-Selbstcheck.
„Die gesamtwirtschaftlichen Wirkungen der Kostensenkung beim Materialeinsatz sind vielfältig. Gewinne, Steuern, Produktivität, Einkommen der Haushalte, Einkommen des Staates, Nachfrage und Beschäftigung beeinflussen sich gegenseitig“, sagt demea-Agenturleiter Mario Schneider. „Obwohl eine Quantifizierung der einzelnen Effekte schwierig ist, zeigen volkswirtschaftliche Modellberechnungen, dass durch die Steigerung der Materialeffizienz die Beschäftigung zunimmt und eine Verbesserung des Finanzierungssaldos des Staates erzielt wird.“
Internet sei Dank, können auch österreichische Unternehmen von der Arbeit der Materialeffizienzagentur profitieren. Auf der Website der Agentur gibt es einen Selbstcheck, der sowohl online als auch offline durchgeführt werden kann und der Unternehmen Hinweise auf relativ leicht zu erschließende Materialpotenziale liefert. Durchschnittlich 200.000 Euro Einsparpotenzial wurden für die Unternehmen bisher ermittelt.












