11.10.2010 11:13
Thema des Monats
Die KVP-Millionen-Show
Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) ist in vielen Unternehmen wichtiger Teil des Qualitätsmanagements. FACTORY stellt dazu Topideen in Rot-Weiß-Rot vor.
Monika Kircher-Kohl, CEO Infineon Technologies Austria AG: „Die Fähigkeit, Anlagen und Prozesse zu verbessern, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil unseres Standortes.“
Thomas Hobart, GF ABC: „Es ist für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ganz entscheidend, die guten Ideen seiner Mitarbeiter abzuholen.“
Robert Kronsteiner (links) und Gerd Puchecker (rechts) aus dem Fünfgang-Getriebebau von GM Powertrain Austria mit einer beispielhaften Idee
Im Rahmen unserer Recherchen zum Thema des Monats herrschte beim Stichwort KVP das ein oder andere Mal durchaus etwas so wie die babylonische Sprachverwirrung. Nicht nur, dass Unternehmen ihre eigenen Bezeichnungen kreieren. Auch die Herangehensweise ist äußerst unterschiedlich. Während bei GM Powertrain das betriebliche Vorschlagswesen quasi institutionalisiert ist, gehen kleinere Betriebe oft sehr informell – aber keineswegs schlechter – mit dem Thema um.
Seit über 27 Jahren gehört das „betriebliche Vorschlagswesen“ bei GM Powertrain
Austria zum guten Ton. Wie stark sich das im allgemeinen Gebrauch als kontinuierlicher Verbesserungsprozess – kurz KVP – genannte Managementwerkzeug im Werk in Wien Aspern etabliert hat, zeigt eine Statistik, die anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Vorschlagswesens im Jahr 2008 dazu veröffentlicht wurde. Seit der Einführung 1983 wurden bis dahin rund 276.000 Verbesserungsinitiativen eingereicht, die gesamt zu Einsparungen von rund 63,4 Millionen Euro und Mitarbeiterprämien von rund 11,9 Millionen Euro führten. Die höchste Einsparung wurde im Jahre 1991 erzielt: Johann Doll, Werner Schalk und Herbert Sporr sparten dem Unternehmen 2 Millionen Euro für Verbesserungen bei der Motorenprüfung ein.
YIP-iiieeeey.
Bei Infineon in Villach hat man für Ideen die sich sowohl für das Unternehmen als auch für die Mitarbeiter lohnen, den Slogan „Your ideas pay“ (YIP) kreiert. Dementsprechend wird die Einreichung einer Idee bei Infineon Technologies als „Yip“ bezeichnet.
Nach der hausinternen Definition lässt ein sinnvoller YIP erkennen, a) was verbessert werden soll, b) wie es verbessert werden soll und c) dass seine Verwirklichung für die Kunden sowie für das Unternehmen und/oder die Mitarbeiter eine Verbesserung bedeuten kann.
Im Durchschnitt wurde aus Österreich heraus in den letzten Jahren ein Nutzen von rund 20 Millionen Euro pro Jahr für das Unternehmen errechnet. Im schwersten Jahr der Wirtschaftskrise, 2009, wurden immerhin noch „Yips“ im Wert von rund 10 Millionen Euro aus Österreich lukriert. „Die Fähigkeit, Anlagen und Prozesse zu verbessern, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil unseres Standortes. Das Ideenmanagement unterstützt diese Aktivitäten auf besondere Weise und stellt sicher, dass unsere Mitarbeiter auch am Erfolg ihrer herausragenden Leistungen beteiligt werden“, erläutert dazu Monika Kircher-Kohl, CEO Infineon Technologies Austria AG.
Mit Rübig nach RIO.
Der Härtetechnik-Spezialist Rübig aus Wels setzt in seinem Haus auf RIO („Rübig – Ideen für Optimierung“). Im Zentrum stehen zum einen die Kosteneinsparung und zum anderen die Sicherheit der Mitarbeiter im Unternehmen. Besonders wichtig sind, so Qualitätsmanager Roland Glück, „die dauerhafte Erhaltung des Einsparungspotenzials und, dass neue Mitarbeiter nicht dieselben Fehler machen, die schon einmal aufgetreten sind“. Rübig profitiert nachhaltig von den Ideen – und die Abteilung des Mitarbeiters, der den Vorschlag zu Verbesserung entwickelt hat, von einer Prämie. Glück: „Die in einem konkreten Fall erreichte Einsparung von 40.000 Euro pro Jahr ist ein nachhaltiger Erfolg einer Idee eines Mitarbeiters. Uns sind aber jederzeit auch Vorschläge willkommen, die ,nur‘ ein paar 100 Euro ausmachen.“
Das ABC des KVP.
Der mit Standorten in Klagenfurt, Villach und Wolfsberg ansässige Auftragsfertiger für den Sondermaschinenbau, ABC Service & Produktion GmbH, fertigt mit 220 Mitarbeitern Präzisionsdreh- und Präzisionsfrästeile aus Metall, Kunststoff und Hochleistungskeramiken sowie mechatronische Baugruppen und Sondermaschinen.
KVP wurde 1994 eingeführt und wird von der Unternehmensleitung massiv gefördert. „Es ist für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ganz entscheidend, die guten Ideen seiner Mitarbeiter abzuholen“, erläutert GF Thomas Höbart die Vorgangsweise. „Wir nutzen in diesem Bereich verschiedene Werkzeuge, eines davon ist unsere „Ideenbörse“.
Die rund 15 bis 20 Vorschläge pro Monat werden durch eine interdisziplinär besetzte Jury bewertet und gegebenenfalls prämiert. Höbart: „Die Bewertung erfolgt möglichst analytisch und transparent durch die Errechnung eines Jahres-Nettonutzens – das ist jener monetäre Nutzen, den der Vorschlag innerhalb von 12 Monaten unter Abzug der Realisierungskosten einbringt. Der Ideeneigentümer wird in die Realisierung des Vorschlages mit eingebunden.“ Der Jahressieger wird aus einer Rankingliste ermittelt und zusätzlich zur Prämie mit einer Flugreise belohnt.
Technischer Korrekturvorschlag.
Beim Schaltschrankbauer Schinko hat das Vorschlagswesen den etwas sperrigen Titel „Technischer Korrekturvorschlag“. „Wir haben einen klar definierten Ablauf, wie zum Beispiel Vorschläge von der Produktion in die Konstruktion einfließen“, sagt GF Gerhard Lengauer. „Dieser ist seit vielen Jahren bei uns implementiert und deckt einen Großteil unseres Verbesserungswesens ab.“ Die Umsetzung erfolgt oft auch in Absprache mit den Kunden. „Das geht dann sehr rasch und beinhaltet durchaus auch konstruktive Änderungen eines Produktes, die sich auch als wirtschaftlicher Vorteil für unsere Kunden erweisen.“
Gesorgt wird bei Schinko auch für die Rückmeldung an die Mitarbeiter, die Vorschläge eingereicht haben. Im Gegensatz zu vielen anderen gibt es bei Schinko für Vorschläge aber keine Prämien. Lengauer: „Ich kenne beide Systeme. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass das System in Unternehmen, die keine Prämien ausschütten, länger und besser lebt.“
Schlank sein macht stark.
battenfeld-cincinnati erkannte bereits vor einigen Jahren, dass sich sowohl die internen Anforderungen als auch die der Kunden rapide verändern. „Qualität alleine genügte nicht mehr, es galt, Topqualität in möglichst kurzer Zeit zu liefern. Um sich für diese neuen Herausforderungen zu wappnen, wurde Ende 2007 beschlossen, das Lean-Six- Sigma-Konzept im gesamten Unternehmensverbund in die Unternehmensphilosophie aufzunehmen“, erläutert Christoph Steger, Director Market & Technologies. „Innerhalb der letzten drei Jahre konnten viele Prozesse durch Lean-Six-Sigma-Projekte nachhaltig verbessert werden: Durchlaufzeiten wurden verkürzt, Fehlerquellen beseitigt und Abläufe vereinfacht.“












