10.04.2012 13:52

Thema des Monats

Gewinnen in der Milliardstel-Show

Kleine Start-Ups und große Konzerne sind drauf und dran, das enorme Potential winziger Strukturen zu nutzen. Auch österreichische Forscher und Ingenieure mischen in der internationalen Nano-Szene mit. Mitunter stößt die neue Technik aber auch noch auf Skepsis.

Peter Hosemann, University of California
© Peter Hosemann

Peter Hosemann, University of California, Berkeley: „Die Produktion von Nanostrukturen steckt oft noch in den Kinderschuhen, daher muss man natürlich noch Erfahrungen sammeln.“

Thomas Stelzl
© Stelzl

Thomas Stelzl, Erfinder der „Safeballs“, die von der Hirtenberger AG vermarktet werden.

SchauPlatz Nano
© Beiersdorff

Seit 2004 eine erfolgreiche Messe-Plattform: Der „SchauplatzNano“ von Ronald Beiersdorff

 

Die Nanotechnologie scheint omnipräsent: Im Gesundheitsbereich ist sie ebenso zu finden wie in der Lebensmitteltechnologie, in den Materialwissenschaften genauso wie in der Elektronik. Aber was genau verbirgt sich hinter dieser Querschnitt-Technologie?

Als Präfix bei Maßeinheiten steht Nano (von griechisch „nannos“ - der Zwerg) für 10-9 der Grundeinheit. Allgemein versteht man unter Nanotechnologie Forschung und Technik in Größenordnungen von 1 bis 100 Nanometern, wobei ein Nanometer einem Milliardstel Meter entspricht.

„Der Abstand zwischen zwei Eisen-Atomen ist 0,287 Nanometer, der Durchmesser eines menschlichen Haares beträgt 40.000 bis 100.000 Nanometer“, veranschaulicht Peter Hosemann, Professor für Nuclear Engineering an der University of California, Berkeley. Der Werkstoffwissenschaftler aus Wien hat in Leoben studiert, wo er heute noch einmal im Jahr eine Vorlesung über „Nuclear Materials“ hält. Nanostrukturen, betont er, kämen auch in der Natur vor: „Bei Naturfasern wie Baumwolle sieht man unter dem Mikroskop 20 bis 40 Nanometer starke Fibrillen, die die Faser zusammenhalten, beinahe wie bei einem Drahtseil. Oft bestehen Farben aus Nanostrukturen, auch die außerordentliche Festigkeit mancher Stähle stammt von Nano-Clustern.“

Nano-Schauplätze.

Weil Nano-Größenordnungen für den Laien faktisch unvorstellbar bleiben, ist die Fachwelt um entsprechende Aufklärung bemüht. Und das muss sie auch sein, meint Ronald Beiersdorff, Experte in Sachen High-Tech-PR aus München, der mit dem „SchauplatzNano“ seit 2004 eine einschlägige Messe-Plattform anbietet: „Die Konsumenten stehen der Technik heute oft kritischer gegenüber, als es nötig wäre. Die Branche muss aufpassen, dass ihr nicht das gleiche Image wie der Bio- oder Gentechnologie angehaftet wird.“

Einwände von Umweltschützern und Ärzten gilt es zum Beispiel im badischen Laufenburg zu entkräften, wo der Bayer-Konzern Nanotubes produziert und als „Baytubes“ vermarktet. Diese mikroskopisch kleinen Zylinder aus eingerollten Kohlenstoffschichten leiten Strom besser als Kupfer, Wärme ähnlich gut wie Diamant. Sie sind extrem leicht, aber deutlich stabiler als Stahl- und Carbonfasern. Weil die hiesige Versuchsanlage nun zur Produktionsanlage werden soll, werden Bedenken laut.

„Die Produktion von Nanostrukturen steckt oft noch in den Kinderschuhen, daher muss man natürlich noch Erfahrungen sammeln“, zeigt Nuklearwissenschaftler Peter Hosemann Verständnis: „Aber ironischerweise machen Nano-Technologien auch viele technische Prozesse sicherer und effizienter - was mögliche Gefahren in der Produktion aufwiegen könnte.“

Im konkreten Fall beschwichtigt Bayer: Nur lange und dicke Nanofasern setzten sich in der Lunge ab. Baytubes-Fasern seien kurz und dünn, noch dazu verwickelt und verknäult – und somit unbedenklich. Anwendung finden Baytubes schon als Verpackungsfolien für Computerchips oder in Kunststoff-Transportbehältern für integrierte Schaltkreise. Sportartikel-Hersteller nutzen sie, um Surfbretter oder Baseballschläger steifer und fester zu machen.

Auch in Österreich werden die deutschen Nanotubes genutzt: Die Hirtenberger Safeball Technology GmbH vermarktet seit Jänner 2012 „Safeballs“, Kugeln mit circa 30 mm Durchmesser, die das Risiko von Explosionen in Treibstofftanks reduzieren. Zudem verringern sie die Abgabe von Kohlenwasserstoffen an die Umgebung und stabilisieren die Fahrweise von Tankfahrzeugen. Erfinder Thomas Stelzl konnte nicht nur die Hirtenberger AG von einer Investition überzeugen: Auch Niki Lauda, der ja bekanntlich „nichts zu verschenken“ hat, beteiligte sich mit immerhin 15 Prozent an dem niederösterreichischen Unternehmen.

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