11.06.2012 09:00

Thema des Monats

Teile und herrsche

Overengineering, knallharter Wettbewerb und Kostendruck aus Asien: Das Sezieren der Produkte von Mitbewerbern und Lieferanten wird zur unternehmerischen Pflichtübung. Wie die heimische Industrie ihre Konkurrenten "zerlegt".

Produktsezession
© Helene Waldner

Der Funktionskostenanteil des eigenen Produkts wird wichtiger.

Hutterer
© Helene Waldner

Die Vorlieferanten und auch den Mitbewerb fest im Blick - die Erfolgsfaktoren von Alfred Hutterer, Chef von Trumpf Austria.

 

Otto Egger sitzt in seinem Büro und redet sich warm. Die Produktzerlegung als Form der Konkurrenzbeobachtung? Werde im Spielberger Werk der ATB Austria Antriebstechnik "natürlich praktiziert",erzählt der Produktmanager, ohne mit der Wimper zu zucken. Einerlei, welchen Fabrikats die Niederspannungsmotoren sind: "Wir vergleichen sie alle“, sagt Egger.

Konkurrenzcheck.

Zuallererst werden die Konkurrenzprodukte fotografiert. Die anschließenden Leistungschecks erfolgen dann – wie bei den eigenen Fabrikaten – am elektrischen Prüfstand. Hinterher, wenn die Daten aufgezeichnet sind, "zerlegen wir die Antriebe in ihre Einzelteile“, so der Experte. Besonders auf die Qualität der Elektrobleche achte man. Das geht in Spielberg schon eine ganze Weile so.

Bis die EU energieeffizientere Antriebe verordnete – da kletterte die Produktzerlegung auf der Prioritätenliste hinauf. "Heute zerlegen wir im Schnitt zwei, drei Maschinen pro Monat“, sagt Egger. Keiner will eine Entwicklung verschlafen. Wer bei Antrieben mit Kupfer- statt Alurotor vorprescht, "den sehen wir uns genau an“, so Otto Egger.

Überlebenskampf.

Immer härtere Bandagen im globalen Produktwettbewerb, Machtproben in der eigenen Lieferkette: Die Industrie sucht händeringend nach neuen Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die österreichische Maschinen- und Metallwarenindustrie etwa erwartet für heuer ein stagnierendes Geschäft. Für 2012 rechne man nur mehr mit einem Wachstum der Produktion "von einem Prozent“, sagte der neue Obmann des Fachverbands Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI), Christian Knill.

Da sind Wege aus der Kostenmisere hochwillkommen – und Berater bringen sich in Stellung. "Die Industrie hat noch nicht alle Mittel ausgeschöpft“, beobachtet etwa Lars Keller, Chef von Kerkhoff Cost Engineering. Das Beratungsunternehmen bietet Produktkostenanalysen an. Auf Kundenwunsch zerlegen die Deutschen Produkte von Mitbewerbern oder Lieferanten. "Wir entlarven die Kostentreiber in der Produktion“, sagt Keller. Betriebe bekommen sobei Preisverhandlungen Hebel in die Hand. In acht Jahren habe man noch bei jedem Kunden "Einsparpotentiale gefunden“, so Keller. Doch viele denken offenbar noch anders. Zu dem Schluss kommt eine Studie vom Institut für Demoskopie Allensbach und der Universität St.Gallen. Vier von fünf Betrieben wollen derzeit ihre Kosten senken. Aber nur ein Fünftel – zumeist Autozulieferer – würden die Möglichkeitender Kostenanalyse auch wirklich nutzen, so das Resümee. FACTORY wollte es genauer wissen.

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