23.03.2010 10:56
VNL Logistics Solution Day
Was zählt in der Intralogistik?
Anlässlich des „Logistics Solution Day“ in Linz wurde unter anderem der Frage nachgegangen, wie Intralogistik heute zu definieren ist – und welche Potentiale ihre richtige Handhabung freimachen kann.
Michael ten Hompel, GF Fraunhofer IML: „Die Komplexität der Systeme hat die Logistik zum Rückgrat der gesamten Produktion gemacht.“
Ein gut organisierter „Logistics Solution Day“ kann es sich offenbar auch leisten, auf die körperliche Anwesenheit des Hauptreferenten zu verzichten. Michael ten Hompel, Professor an der Universität Dortmund, Fakultät Maschinenbau, und Geschäftsführer des Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik, musste seinen Linzbesuch aufgrund des Pilotenstreiks der Lufthansa kurzfristig absagen. Die clevern Macher des Verein Netzwerk Logistik ließen sich dadurch aber nicht beirren und konnten die zahlreichen Besucher an der Johannes-Kepler-Universität mit einer perfekt zusammengestellten Videobotschaft inklusive komplettem Vortrag des Professors überzeugen.
Adaptive Logistiksysteme.
Den Einstieg des Symposiums machte Hans-Christian Graf, Professor für Logistik an der FH Steyr und Leiter des Logistik-Technologie-Centers des LOGISTIKUM.research. Graf verwies in seinem Referat auf die sehr unterschiedlichen Zugänge zur Intralogistik und der daraus resultierenden Notwendigkeit, sie erst einmal richtig zu definieren. „Zur Intralogistik zählen alle Einrichtungen und Services der Lagerung und Materialhandhabung“, erklärte Graf. „Dazu gehört aber auch die Summe aller Technologien und Services des Informations-Managements sowie die Summe aller damit verbundenen Planungs- und Managementaktivitäten, um die innerbetrieblichen Logistikaufgaben optimiert abzuwickeln.“
Stand in den letzten Jahren die Erweiterbarkeit und Wachstumssicherheit im Vordergrund, so lautet die Frage heute, wie es mit der Handhabung aktueller Überkapazitäten aussieht. Graf: „Die häufigsten Reaktionen sind Teil-Stilllegungen, das Drücken variabler Kosten aber auch finanztechnisches Tuning, also die Verlängerung von Abschreibungszeiten oder von Nutzungs- und Leasing-Dauern.“
Für die Zukunft sei daher zu klären, wie Logistikanlagen Auslastungstälern gewachsen sein können, wie das Logistikinvestment mit dem laufenden Technologiewandel mithalten kann, aber auch, wie der Begriff Nachhaltigkeit um den Anspruch nach Mengen- und Technologieadaptivität erweitert werden kann. Ein Thema, das natürlich auch die Hersteller von Anlagen, Technologie und Software betrifft.
Was kommen muss ...
„Technische Trends sind in der Weiterentwicklung der zentralen Steuersysteme hin zu kleinen und flexiblen Einheiten mit verteilter Intelligenz zu sehen“, erläuterte Graf. „Darüber hinaus sind die Umsetzung des Internets der Dinge sowie die freie Suche der individuellen Logistikobjekte nach den „besten“ Wegen wesentliche Themen.“ Zentrale System werden demnach nicht mehr Individuen steuern, sondern dynamische Kapazitäten kontrollieren (z.B. Stauvermeidung und Durchsatzoptimierung). „Adaptive Logistiksysteme sind von der Philosophie getragen, dass bei Veränderungen betrieblicher Anforderungen keine umfangreiche Neuprogrammierung erfolgt, sondern die neuen Bedarfe durch Zugriffe auf Funktionsbibliotheken und Neukonfiguration standardisierter Lösungsmodule flexibel abgedeckt werden“, meinte Hans-Christian Graf abschließend. „Das erfordert eine weitgehende Standardisierung der internen Modulschnittstellen und eröffnet eine Flexibilisierung von Nutzen und Kosten.“ Derartige Modelle könnten auch Kosten flexibilisieren. Bei Bedarfssenken seien dadurch nämlich auch Kostenvorteile zu erzielen.
Logistik 2.0 adressiert Megatrends.
Michael ten Hompel erklärte in seiner Videobotschaft, dass Logistik 2.0 die Megatrends adressieren müsse. Dies bedeute unter anderem: Effizienter Umgang mit Ressourcen, Wahrung der Individualität und urbane Versorgungssicherheit. „Warentransporte sind stärker gewachsen als die Warenproduktion“, erklärte ten Hompel. „Die Komplexität der Systeme hat die Logistik zum Rückgrat der gesamten Produktion gemacht. Trotzdem sind die Logistikkosten in den letzten 20 Jahren deutlich gesunken.“ Eine der wichtigsten Problemstellungen derzeit: Die Energiekosten. „Die Forderung lautet: Alles wird geregelt“, erläuterte der Logistikexperte weiter. „Von der Materialflusssteuerung wird es daher zur Materialflussregelung kommen. Intelligente Steuerung kann die Kosten dafür halbieren.“ Die vielen neuen Funktionen werden, so ten Hompel, die Materialflussrechnung grundlegend verändern.











